Ich habe mich mit der Thematik noch einmal mehr etwas vertraut gemacht, weil ich denke, dass das ganze doch ziemlich undurchsichtig ist und nicht so leicht verständlich. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen weiter.
Erklärung: Smartwatch-Unterstützung im Mobilfunk
(und warum congstar nicht einfach nur künstliche Hürden eingebaut hat um diese zu verhindern)
Smartwatches wie die Apple Watch benötigen eine Multi-SIM im eSIM-Format. Die Rufnummer muss identisch sein mit der des gekoppelten Smartphones. Nur über das gekoppelte Smartphone lässt sich die SIM-Funktionalität auf der Watch aktivieren. Dieser Aktivierungsprozess lässt sich nicht umgehen, die Watch kann folglich nicht autark mit einer eigenen Rufnummer betrieben werden. (Außer für Familienmitglieder, dazu unten mehr)
Das eigentliche Problem: Multi-SIM ist nicht gleich Multi-SIM.
- Es gibt die klassische Multi-SIM, welche quasi ein Klon einer anderen SIM-Karte ist. Dies ist die Variante, die congstar aktuell anbietet. Diese Karten teilen sich ein Datenvolumen und Anrufe können vom Netzbetreiber an beide SIM-Karten gleichzeitig „gelenkt“ werden, sodass beide Karten klingeln. SMS können jedoch nicht aufgeteilt an beide Karten gleichzeitig gesendet werden, hier muss vorab entschieden werden, wo sie landen soll. Dabei sind zwei eigenständige Karten mit gleicher Nummer im System des Netzbetreibers gelistet – zwei Identitäten mit gleicher Rufnummer.
- Zusätzlich gibt es die sogenannten MSI-Multi-SIM (MSI = Multi Device Single Identity). Bei diesem Standard bilden Smartphone und Watch eine einzige Identität (Single Identity) im Netz.
Dieser Service wird durch zusätzliche Serverdienste gewährleistet, die von einem sogenannten Entitlement Server (prüft die Berechtigung) bereitgestellt werden. Beide Karten klingeln ebenfalls gleichzeitig, das Datenvolumen wird ebenso geteilt aber auch SMS können synchron an beide SIM-Karten gesendet werden. Der Server sorgt auch dafür, dass Anruflisten und SMS-Benachrichtigungen im Gegensatz zur klassischen Multi-SIM auf allen Geräten synchron bleiben.
Entitlement Server (ES):
Der Server wird vom Mobilfunkanbieter bereitgestellt und muss von Apple autorisiert sein.
Er kommuniziert mit Apple-Servern, die dann wiederum der Watch das entsprechende SIM-Profil zum Laden anbieten, sofern der gebuchte Tarif dies ermöglicht. Dabei sorgt er dafür, dass die eSIM der Watch mit der des iPhones im Netz des Mobilfunkanbieters verknüpft werden und als eine Einheit auftreten (MSI, s.o.).
Technisch relevant!: Smartwatches checken aufgrund der geringen Batteriekapazitäten seltener nach eingehenden Signalen als Smartphones. Der Entitlement Server weist das Netz bzw. den Funkmast dabei an, die Signale in einem speziellen Rhythmus zu senden, der auf den der Uhr abgestimmt ist. Ohne diese Anpassung durch den Server würde der Funkmast die Verbindung zur Uhr regelmäßig verlieren. Alternativ müsste die Uhr im Rhythmus eines Smartphones nach Signalen Prüfen und die Batterie wäre innerhalb kürzester Zeit leer.
Theoretisch könnte die Telekom congstar zwar gewähren, die eigenen Entitlement Serverkapazitäten mit zu nutzen aber auf jedem iPhone ist eine spezielle Konfigurationsdatei gespeichert, die von Apple für jeden Anbieter individuell signiert und zertifiziert wird. Diese Zertifizierung lässt sich Apple bezahlen und andere Provider im gleichen Netz müssen diese ebenfalls durchlaufen. Man kann zudem davon ausgehen, dass bei diesem Prozess auch gewisse Bedingungen, z.B. die Abnahmemenge an Apple Hardware zur Vermarktung durch den Mobilfunkanbieter, ausgehandelt werden.
Die Identität der SIM-Karte verrät dem Server sofort, dass es sich um eine congstar SIM (oder die eines anderen Anbieters im gleichen Netz) handelt, woraufhin in der Watch App auf iPhone im entsprechenden Einrichtungsmenü folgende Info erscheint: „Dein Telekom.de-Account ist nicht zur Aktivierung des Mobilfunks auf der Apple Watch berechtigt. Weitere Informationen sind von Telekom.de erhältlich.“
Daran wird sich also auch nichts ändern, wenn die Gerätehersteller dazu übergehen, ihre Geräte nur noch mit eSIM auszustatten oder congstar die 2-Faktor-Authentifizierungen via SMS durch ein anderes Verfahren ersetzt. Auch dann wird es weiterhin die Unterscheidung zwischen der klassischen Multi-SIM und der MSI-Multi-SIM geben und den damit einhergehenden, unterschiedlichen Netzdiensten.
Und noch zu guter letzt: Die Idee, die Watch über die Einrichtung für Familienmitglieder mit einer eSIM auszustatten ist zwar möglich aber bringt wahrscheinlich nicht den gewünschten Komfort. Schaut man unter der offiziellen Quelle von Apple, sieht man, dass auch hierfür nur unterstütze Anbieter mit entsprechenden Tarifen in Frage kommen sollen.
Nutzt man dies, wird die Uhr aber wie ein eigenständiges Mobilfunkgerät behandelt. Das heißt, sie wird in ihren Fähigkeiten stark beschnitten und muss dann gleichzeitig deutlich aktiver mit dem Mobilfunknetz kommunizieren. In Foren wird bei diesem Modus über eine deutlich reduziertere Akkulaufzeit berichtet.
Die Watch hat dann eine eigene Nummer für Anrufe und SMS, es findet also auch keine Synchronisation mit der Rufnummer des dazugehörigen iPhones statt (Anruflisten/SMS) auch kein iMessage.
Einige Gesundheits-Apps funktionieren zwar aber die Daten dazu werden dann in einem eigenen Profil gespeichert und nicht mit denen des eigenen Profils auf dem iPhone synchronisiert. „Die folgenden Funktionen und Apps sind nicht verfügbar: Medikamente, Atemfrequenz, Mitteilungen bei unregelmäßigem Herzrhythmus, EKG, Vorhofflimmern-Protokoll, Zyklusprotokoll, Schlaf, Temperatur am Handgelenk, Blutsauerstoff, Stabilität beim Gehen, Hörbücher, News, Kurzbefehle, die Doppeltippen-Geste und internationales Roaming.“ Auch Apple Pay geht dann nicht.
Gruß, zedtea